German Interview with Mary Calmes

July 5, 2015

Ich bedanke mich herzlich bei Mary Calmes, die sich bereit erklärt hat, an diesem Interview teilzunehmen und euch Lesern Frage und Antwort zu stehen. Auch ein großes Dankeschön an euch Leser, denn ohne euch wäre dieses wunderbare Interview nicht zustande gekommen.

Ich möchte allen für diese fabelhaften Fragen danken, und auch der reizenden Corina, die dieses Interview ermöglichte.

Zuallererst: Verrate etwas über dich, das deine Leser überraschen würde.

Ich kann nicht kochen, nicht mal ein bisschen. Rhys Ford kam mal zu mir und versuchte mir zu helfen, gab dann aber auf und kochte selbst für meine Familie. Sie wollten nicht, dass sie wieder nach Hause fuhr.

Findest du neben dem Schreiben noch Zeit, um zu lesen? Was sind deine Lieblingsbücher, die du immer wieder lesen könntest?

Ich lese Liebesromane immer und immer wieder, manchmal alte, mit schottischen Hochlands-Gutsherren und errötenden, jungfräulichen englischen Bräuten, aber seit ein paar Jahren lese ich meist Sachliteratur oder schwule Romanzen. Ich habe ein paar Lieblingsbücher, die ich schon sehr oft gelesen habe, wie Sinner’s Gin von Rhys Ford oder Dex In Blue von Amy Lane, Under The Skin von Bennet und Tachna, Hitzkopf von Damon Suede, und viele, viele mehr.

 Was hat dich dazu gebracht, M/M Romanzen zu schreiben? Wie lange schreibst du schon und wie lange hat es gebraucht, bis du von einem Verlag publiziert wurdest?

Ich wusste bereits mit 12 Jahren, dass ich eine Autorin sein möchte, und da begann ich zu schreiben, aber erst später wurde mir bewusst, dass ich Romanzen schaffen möchte. Die Welt kann ein erschreckender, dunkler Ort sein, und Romantik beruhigt die Seele. Deshalb fing ich an, die traditionelle Junge trifft Mädchen Dynamik zu schreiben, aber alles fühlte sich platt an. Es gab kein Gefühl dahinter und es wirkte, als hätten diese Geschichten kein Leben in sich. Während dieser Zeit las ich The Catch Trap von Marion Zimmer Bradley, die einen tief greifenden Effekt auf mich hatte – dort gab es Glück. Es war ein langer Weg bis dorthin, aber ich liebte es so sehr. Dann las ich What Love Means to You People von Nancy Kay Shapiro. Das war ein weiterer langer und schmerzhafter Weg, aber es gab ein schönes Ende. Ich war begeistert und entschied, dass es genau das war, was ich schreiben wollte.

Als ich meine erste Geschichte beendet hatte, was A Matter of Time war, tat ich das, was ich dachte, was man tun sollte, und suchte nach einen Agenten. Ich sendete Anfragen, aber niemand wollte etwas mit Jory zu tun haben. Erst da begriff ich, dass eine traditionelle Veröffentlichung, Agent zu Herausgeber zu Barnes & Noble, bei mir nicht funktionieren würde. E-Books wurden zu der Zeit gerade angesagt, deshalb entschied ich, einen Verlag zu finden und den digitalen Weg zu gehen. Vor Dreamspinner war ich bei einem für mich falschen Verlag, deshalb mein Rat an euch: Recherchiert immer. Mein erster Verlag war in keinem Weg passend für mich, deshalb entschied ich mich, als ich Wandel des Herzens fertiggeschrieben hatte, nach einem neuen Verlag zu suchen und fand Dreamspinner. Und ich bin noch immer glücklich mit dieser Entscheidung.

Ich hoffe, die Frage ist nicht zu privat, wenn ja, musst du natürlich nicht darauf antworten: Wie vereinst du deine Liebe zum Schreiben mit deinem Real Life (Familie, Freunden, dem Partner etc.), ohne dass einer dabei zu kurz kommt?

Das kann ich nicht, obwohl ich es mir wünsche. Ich bin schrecklich, darin eine Balance zwischen Arbeit und meiner Familie zu finden, und als mein Sohn vier war, sagte er, dass seine Mommy nicht mit ihm spielen könnte, da sie die Knöpfe drücken müsste. Das brach mir mein Herz. Aber mit dem Schreiben versorge ich meine Familie, also ist es das klassische Dilemma. Mein Ehemann ist sehr unterstützend und auch sehr stolz auf mich, aber manchmal bekomme ich trotzdem das “Wenn deine Deadline nicht nah ist, bewegst du deinen Hintern raus und isst mit uns zu Abend”-Ultimatum zu hören. Ich weiß, dass ich eigentlich einen Weg finden sollte, um eine gute Balance zu schaffen, aber meine Fähigkeit für Zeitmanagement ist einfach nur miserable.

Legst du dir schon einen Plot (mit vorgegebenen Situationen) zurecht bzw. weißt du schon zu Beginn wie deine Protagonisten gestrickt sind, oder agierst du während des Schreibens spontan?

Es gibt Leute, die ihren Plot ausarbeiten und andere, die einfach drauf losschreiben, und es gibt Autoren, die ein bisschen von beidem sind. Ich schreibe NUR drauf los. Ich wünschte, ich könnte schon vorher meinen Plot ausarbeiten, aber normalerweise gebe ich meinen Charakteren ihre Namen und beginne mit dem Schreiben und hoffe, dass ich mir dann über die Geschichte klar werde. Ich meine, ich habe eine Idee, wie z. B. wo die Charaktere gerade stehen und wo ich sie am Ende des Buches haben will. Aber darüber hinaus, entscheide ich alles während des Schreibprozesses.

Schreibst du an mehreren Büchern gleichzeitig oder konzentrierst du dich lieber nur auf eines?

Ich schreibe normalerweise an mehreren gleichzeitig, aber da meine Deadlines neuerdings so knapp sind, kann ich mir den Luxus, an zwei Geschichten auf einmal zu arbeiten, nicht leisten. Ich bevorzuge es aber an zwei Büchern gleichzeitig zu schreiben, denn falls es bei einer Geschichte schleppend vorangeht, kann man sich auf die andere konzentrieren.

Wie lange schreibst du durchschnittlich an einer Geschichte und wie sieht dein Schreiballtag im Allgemeinen aus?

Es kommt drauf an. Ich hätte gern, dass ich zwei Monate brauche, um ein Buch zu schreiben, aber zur Zeit brauche ich durchschnittlich einen Monat, aber das ist ein wenig schnell für mich. Ich würde mich besser fühlen, wenn ich für ein Buch zwei Monate Zeit hätte und für eine Kurzgeschichte einen Monat. Ich bevorzuge ein gemächliches Tempo. Je schneller ich etwas schreibe, umso länger braucht die Überarbeitung. Wenn ich länger an einem Buch schreibe, ist die Überarbeitungszeit kürzer, was Sinn macht, da man weniger ausbessern muss.

Welches Buch oder welche Serie hast du am liebsten geschrieben? Hat dir eines deiner Bücher schlaflose Nächte bereitet?

Bislang habe ich es am meisten genossen, meine Marshals zu schreiben. Ich mag das Geplänkel zwischen meinen beiden Helden und ich liebe es mir vorzustellen, was sie wohl als Nächstes tun würden. Ich hatte nie schlaflose Nächte, da ich im Allgemeinen schlafe sehr wenig. Wenn ich diese Werbungen sehe, wo Leute Medikamente nehmen, um schlafen zu können, bin ich verblüfft. Ich kann einschlafen, wenn ich nur zu lange still sitze. Ihr seht, ich bin immer bereit, einzuschlafen.

Gibt es bestimmte Lieder, die du während des Schreibens gerne hörst?

Das kommt auf die Geschichte an. Bei A Matter of Time hörte ich viel Trance Music. Bei meinen Wärtern hörte ich viel Jazz.

Findest du einen speziellen Typ Mann besonders faszinierend und bindest du ihn häufiger in deine Geschichten ein?

Ich liebe große, schweigsame Männer, die lange brauchen ehe sie bemerken, dass sie verliebt sind, aber wenn sie es dann verstanden haben, sich vollkommen darauf einlassen. Besitzergreifende, murrende, griesgrämige, sanfte Männer, die es brauchen geliebt zu werden sind meine Lieblinge, und in meinen Büchern kennt man sie als meine Alphas. Ich würde sagen, dass Rand Holloway von Timing, Sam Kage von A Matter of Time, Logan Church von der Serie Change of Heart und Ian Doyle von All Kinds of Tied Down in diese Kategorie fallen.

Gehörst du auch zu den Autoren, die von der Muse ständig Arschtritte bekommen, vor allem, wenn sie etwas will, das dir aktuell so gar nicht in den Zeitplan passt?

Bin ich. Was auch immer ich schreibe, ich will zur selben Zeit etwas anderes schreiben. Das passiert STÄNDIG. Das sind diese kleinen Plot-Bunnies, die sich in deine Gedanken hoppeln, obwohl man es nicht möchte. Es ist wirklich frustrierend.

Wachsen dir manche Protagonisten mehr ans Herz als andere? Wenn ja, welche magst du am liebsten? Gab es ein Paar, das dich in den Wahnsinn getrieben hat?

Zuletzt habe ich mich in Lazlo Maguire verliebt, der der Held in meiner nächsten Mangrove Geschichte Easy Evenings ist. Ich habe es mehr genossen seine Kurzgeschichte zu schreiben als die der anderen. Manchmal kann ich über das Ende des Buches hinausblicken, kann das gesamte Leben des Protagonisten erkennen und das zeigt mir, dass ich ihn am meisten liebe. Wie Weber von Frog. Ich könnte jeden Tag seines Lebens aufschreiben und wäre dabei glücklich. Meine Paare treiben mich nicht in den Wahnsinn, da ich weiß, wie sich die Beziehung entwickeln wird und dass sich die beiden lieben.

Wenn du mit einem deiner Protagonisten einen trinken gehen könntest, für wen würdest du dich entscheiden und warum?

Ich bin kein großer Trinker, aber ich würde gerne mit Nate von Acrobat einen Kaffee trinken gehen. Wir haben beide Englisch studiert, lieben dieselben Filme und er würde mich zum Einkaufen begleiten um neue Sachen fürs Haus zu finden. Er ist sehr nett und seine Anwesenheit beruhigend.

Welcher deiner Charaktere ähnelt dir charakterlich am meisten?

Sam Kage ist mir ähnlich. Er ist herrisch, laut, ein wenig egoistisch, hasst Veränderungen und will, dass die Menschen, die im wichtig sind, auf ihn hören.

Hast du schon einmal abfällige / beleidigende Bemerkungen zu deinen Büchern erhalten? Wenn ja, wie hast du darauf reagiert?

Ich musste schon ein paar verletzende Reviews einstecken, wurde aber nie beleidigt. Jeder ist berechtigt, eine eigene Meinung zu haben, und daran habe ich nichts auszusetzen.

Letzte Woche veröffentliche DSP die deutsche Übersetzung von deinem Buch Acrobat (Seiltänzer). Was hat dich inspiriert, dieses Buch zu schreiben?

Es gibt ein Gemälde mit dem Namen Parallel Dreams von Steve Walker. In diesem Bild schlafen zwei Männer, und als ich es das erste Mal sah, dachte ich darüber nach, was wohl die Geschichte dahinter sein könnte. Steve Walker bewilligte bei manchen Bildern, dass Dreamspinner Press diese verwenden könnte, weshalb ich sofort anfragte, ob es mein Cover werden könnte. Traurigerweise starb Steve Anfang 2012 und ich erinnere mich noch immer daran, wie traurig ich darüber war. Anne Cain, die Künstlerin, die das Cover für mein Buch gestaltete, war mit Steve befreundet, und so malte sie es als Hommage an ihn. Ganz vorn in meinem Buch gibt es eine berührende Anmerkung von ihr.

Gibt es eine Szene im Buch, die dich besonders berührte?

Die für mich berührendste Szene war, als Nate, Dreo und Michael zusammen auf der Couch saßen und einen Familienabend zu Hause genossen. Ich liebte diese Szene.

Würdest du sagen, dass die Muse eines bestimmten Charakters lauter schrie oder mehr Teile der Story diktierte als die eines anderen?

Da ich alle meine Bücher in der 1. Person schreibe, mit Ausnahme von einem Roman und einer Kurzgeschichte, ist es der Hauptcharakter, dessen Stimme ich immer am lautesten höre, da ich in seinem Kopf stecke. Bei diesem Buch war es Nate Qells, Englischprofessor am Tag, Babysitter in der Nacht. J

Wenn du einen Titelsong für dein Buch aussuchen müsstest, welcher wäre es?

Worrisome Heart von Melody Gardot. Ich hörte viel Jazz während ich Acrobat schrieb, aber dieses Lied ragt hervor, denn es handelt davon, dass man jemanden auch für seine Fehler lieben muss, und nicht nur für die guten Seiten, die man hat.

Sind weitere Reihen in dem Genre „paranormal“ geplant? Also Gestaltwandler, Vampire, Dämonen oder Ähnliches?

Ich muss das letzte Wächter-Buch schreiben und bringe zur Zeit meine L’Ange Serie zum Abschluss. Danach will ich das paranormale Genre eine Weile ruhen lassen. Das Bauen dieser Welten ist ermüdend, weshalb die Pause wohl länger dauern wird. Ich werde später vielleicht wieder mehr in diesem Genre schreiben, aber zur Zeit kann ich es mir nicht vorstellen.

Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt, mit einem anderen Autor/in an einem gemeinsamen Projekt zu schreiben?

Ich schrieb Anthologien mit anderen Autoren, aber mit einem anderen Autor an einem Buch zu schreiben, geschah nur mit Cardeno C. Ich trieb sie in den Wahnsinn, denn sie plant ihre Plots, aber wir haben beide haben es heil überstanden und sind noch immer Freunde.

Zu guter Letzt. Woran arbeitest du zur Zeit?

Zur Zeit schreibe ich am letzten Band meiner L’Ange Serie, und danach stürze ich mich auf Conrads Buch, was das Sequel zu Mine wird.

Noch einmal möchte ich mich herzlich für all die wundervollen Fragen bedanken.

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