German Interview with D.W. Marchwell

June 9, 2015

Ich bedanke mich herzlich bei D.W. Marchwell, der sich bereit erklärt hat, an diesem Interview teilzunehmen und euch Lesern Frage und Antwort zu stehen. Auch ein großes Dankeschön an euch Leser, denn ohne euch wäre dieses wunderbare Interview nicht zustande gekommen.

Zuallererst: Verrate etwas über dich, das deine Leser überraschen würde.

Es gibt nicht vieles über mich was ich nicht schon in meinen Büchern erwähnt hätte, aber die meisten überrascht es, dass ich ein ausgebildeter Opernsänger bin. Ich bin ein „Light Baritone“ (auch genannt: Baryton-Martin) und absolvierte Jahre lang professionelle Auftritte, während ich tagsüber unterrichtete. Meine Spezialität war „German Lieder“, vor allem alles von Schubert. Ich liebe es, Schubert zu singen!

Kannst du uns fünf deiner Lieblingsbücher nennen?

Meine fünf Lieblingsbücher – ohne bestimmte Anordnung – sind: „Halway Home“ von Paul Monette, da in dieser Story zwei Brüder – einer schwul, einer nicht – lernen, was es heißt, den anderen zu lieben. „Dance on the Earth“ von Margaret Laurence, da sie schon immer eine meiner kanadischen Lieblingsautoren war. „Caught Running“ von Abigail Roux und Madeleine Urban, da ich durch dieses Buch begrifft, dass auch meine Geschichten publiziert werden können. „English: The Mother Tongue and How It Got That Way“ von Bill Bryson, da mich Sprachen schon immer brennend interessiert haben. Und „Soldier“ von AKM Miles, da dieses Buch eine sehr wichtige Botschaft übermittelt, und zwar, dass eine Familie mehr ist, als in sie hineingeboren zu werden.

Was hat dich dazu gebracht, M/M Romanzen zu schreiben?

Schon seit ich denken kann, habe ich Geschichten geschrieben, aber erst als ich „Caught Running“ las, begann ich, mich über den Verlag zu informieren, der es publizierte. Ich begriff, dass es eine Zielgruppe für meine Art  von Büchern gab. Wie das Schicksal so spielte, reichte ich das Manuskript von „Gut zu wissen“ (Good to Know) ein, das angenommen und publiziert wurde. Dann folgten 15 weitere Geschichten.

Ich hoffe, die Frage ist nicht zu privat, wenn ja, musst du natürlich nicht darauf antworten: Wie vereinst du deine Liebe zum Schreiben mit deinem Real Life (Familie, Freunden, dem Partner etc.), ohne dass einer dabei zu kurz kommt?

Die Frage ist nicht zu persönlich. Es gibt kaum Konflikte zwischen meinem Schreiben und meiner Familie oder Freunden. Ich habe einen Partner und meine Freunde haben mich immer unterstützt und auch verstanden, dass es Tage gab, an denen ich zu Hause bleiben musste, um zu schreiben und deshalb nichts mit ihnen unternehmen konnte. Viele meiner Freunde sind sowieso verheiratet und haben Kinder, und sind auch selbst sehr beschäftigt, und wir versuchen uns zu treffen, wann immer es uns möglich ist.

Woher nimmst du deine Ideen? Was inspiriert dich? Fließen private Erlebnisse oder Menschen, die du getroffen hast, in deine Geschichten mit ein?

Meine Ideen entstehen durch Erlebnissen in meinem realen Leben. Ich sehe etwas in den Nachrichten, oder schnappe etwas im Lebensmittelgeschäft auf, und schon entsteht eine Idee über eine mögliche Geschichte in meinem Kopf.  Alle meine Bücher basieren also auf einem Ereignis oder einer Situation in meinem Real Life, die ich selbst erlebt oder über die ich gelesen habe.

Legst du dir schon einen Plot (mit vorgegebenen Situationen) zurecht bzw. weißt du schon zu Beginn wie deine Protagonisten gestrickt sind, oder agierst du während des Schreibens spontan?

Eigentlich ist es eine Mischung aus beidem. Ich beginne die Geschichte immer mit einer Idee, mit einer Vorstellung, was passieren könnte, aber wenn ich dann schreibe, erzählen mir die Charaktere selbst was sie erleben sollen. Es ist eine leise Stimme in meinem Kopf, die mir manchmal einen anderen Weg aufzeigt, den die Charaktere dann gehen werden.

Schreibst du an mehreren Büchern gleichzeitig oder konzentrierst du dich lieber nur auf eines?

Ich konzentriere mich immer nur auf ein Buch. Ich lese nicht mal – zum Vergnügen – während ich schreibe, weil ich nicht von dem gelesenen beeinflusst werden möchte, oder vielleicht sogar vergesse, was ich selbst schreiben wollte. Ich plane vielleicht ein Buch, während ich ein anderes schreibe, aber ich arbeite immer nur an einer Geschichte.

Was für eine Szene war die am schwersten zu schreibende?  

Die am schwersten zu schreibenden Szenen sind immer die, wo ein Kind oder ein Tier verletzt ist oder wird. Zum Beispiel, „Paradies in Aussicht“ (An Earlier Heaven). Ziemlich am Ende der Geschichte, versteht William, was es mit Frau Zimmerman auf sich hat. Das war eine sehr schwierige Szene, die ich schreiben musste.

Gibt es bestimmte Lieder, die du während des Schreibens gerne hörst? Wie sieht dein Schreiballtag im allgemeinen aus?

Passend zu meinem musikalischen Hintergrund und meinen österreichischen Großeltern, die immer klassische Musik hörten, höre ich klassische Musik, während ich schreibe. Einer meiner Lieblingskomponisten ist Felix Mendelssohn. Ich höre am häufigsten seine Musik. Ansonsten trinke ich während des Schreibens auch gerne eine heiße Tasse Tee. Und ich lösche alle Lichter – aber ich weiß nicht warum. LOL

Wenn du mit einem deiner Protagonisten einen trinken gehen könntest, für wen würdest du dich entscheiden und warum?

Das ist eine sehr gute Frage. Hmm. Ich denke, ich würde mich für Barkley Reinhardt von „Pictures on Silence“ entscheiden, da er mir sehr ähnlich ist. Wir beide lieben Musik, zu singen und Tiere. Aber ich würde auch gerne Scott von „Falling“ und „When Memory Fails“ treffen. Er ist Komponist, und ich würde ihn gerne fragen,wie es sich anfühlt, ein Musikstück aus dem Nichts zu kreieren.

Welcher deiner Charaktere ähnelt dir charakterlich am meisten?

Ich habe viele meiner Persönlichkeitseigenschaften auf verschiedene Charaktere übertragen. David, von der Serie „Gut zu wissen“ (Good to Know), unterrichtet wie ich und liebt Kinder. Barkley von „Pictures on Silence“ liebt Musik und Tiere, und singt für sein Leben gern. Und Hank, von der „Falling“ Serie, hat eine schwierige Beziehung zu seiner Familie, genau wie ich. Aber ich würde sagen, dass Barkley mir am ähnlichsten ist.

Hast du schon einmal abfällige / beleidigende Bemerkungen zu deinen Büchern erhalten? Wenn ja, wie hast du darauf reagiert?

Was abfällige oder  beleidigende Bemerkungen betrifft – ich denke, viele Autoren erhalten solche Kommentare – bin ich keine Ausnahme. Ich sehe mir keine Reviews an, seit ich Bücher schreibe, die die Leser unterhalten und genießen sollen. Aber wenn ich höre oder lese, dass jemand eine beleidigende Bemerkung gemacht hat, nehme ich einfach an, dass dieser Person meine Geschichte oder mein Schreibstil nicht gefallen hat, und mache einfach weiter.

Hast du vor, irgendwann die Länder zu besuchen, in deren Sprachen deine Bücher übersetzt wurden?

Ich habe bereits die meisten Länder besucht, die in meinen Geschichten vorkommen, und ich werde eines Tages definitiv wieder an diese Orte zurückkehren. Ich war sehr oft in Europa und genoss Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich. Es fiel mir leichter, durch Frankreich und im Süden der Schweiz zu reisen, da ich französisch spreche, aber ich habe auch mein bestes versucht, um in Deutschland und Österreich deutsch zu sprechen. Und die Leute waren sehr geduldig und freundlich. Obwohl sie besser englisch sprachen als ich deutsch, haben sie meistens gelächelt und geduldig gewartet, dass ich das, was ich sagen wollte, aussprach. Außerdem habe ich eine anzestrale Verbindung zu Deutschland und Österreich, die Vorfahren meiner Mutter kommen aus Österreich und Bayern.

Letzte Woche veröffentliche DSP die deutsche Übersetzung von deinem Buch An Earlier Heaven (Paradies in Aussicht). Was hat dich inspiriert, diese Serie (Good To Know) zu schreiben? War es immer schon als Serie geplant?

Es war nicht als eine Serie geplant. „Gut zu wissen“ war eine der ersten Geschichten, die ich geschrieben habe. Es war 1981 und ich hatte gerade erst die High School beendet. Ich habe immer wieder Geschichten über schwule Männer gesucht, die sich verliebten und bis an ihr Lebensende glücklich zusammen lebten, aber ich konnte nie eine finden. Deshalb entschloss ich mich, meine eigene Geschichte zu schreiben. Erst 2009 dachte ich darüber nach, dass ich diese Geschichte möglicherweise einreichen könnte, da es immer eine meiner Liebsten war. Es gab ein paar Änderungen, aber es ist im Grunde dieselbe Geschichte, die ich vor 30 Jahren geschrieben habe. Ich dachte erst an eine Serie, als ich realisierte, dass die Protagonisten mehr zu sagen hatten.

Welcher Protagonist der Serie war für dich am schwersten zu schreiben?

William war der am schwersten zu schreibende Charakter, da – obwohl ich täglich von Kindern umgeben bin – ich mich sehr darauf konzentrieren musste, was er in verschiedenen Situation sagen, tun oder fühlen würde. Es war schwierig, sich vorzustellen, was ein 10-jähriger denken und wie er sich verhalten würde.

Gibt es eine Szene im Buch, die dich besonders berührte?

Wenn ich schreibe, bin ich darauf konzentriert, die Wörter auf Papier zu bringen, aber die Szene, als Cory zurückkam um zu bleiben, war sehr berührend. Natürlich, ich hatte diese Szene geplant und wusste immer, dass Cory zurückkommen würde, aber als ich sie schreiben musste, bemerkte ich, dass mir Tränen in den Augen standen (da William endlich seinen Bruder bekam).

Wir haben gehört, dass du leider keine Bücher mehr publizieren wirst. Was sind deine Zukunftspläne?

Es ist wahr, dass ich nicht mehr publizieren werde, und viele Leute fragten mich per E-Mail nach dem Grund. Um es klarzustellen: Ich schreibe noch immer, habe aber keine zukünftigen Pläne, meine Bücher von einem Verlag publizieren zu lassen. Ich mochte diese Pingeligkeit von ihnen nicht, ebenso wenig, dass sie versuchten, Aspekte meiner Geschichten zu ändern, die man eigentlich nicht ändern musste. Ich sage niemals nie, und werde möglicherweise wieder mal etwas von einem Verlag veröffentlichen lassen, aber zur Zeit bin ich damit glücklich, für mein eigenes Vergnügen zu schreiben. Es gibt ein paar Geschichten, die ich seit meiner Ankündigung, dass ich keine Bücher mehr publizieren werde, geschrieben habe, und die man auf dieser Website, die ich extra dafür angelegt habe, finden kann:

http://marchwellbooks.weebly.com/

Diese Geschichten gibt es nur in englischer Sprache. Also, sollte jemand englisch verstehen und will ein paar Bücher kostenlos lesen, könnt ihr meine Geschichten, die nicht von einem Verlag veröffentlicht wurden, hier finden. Sie sind für jedermann und unentgeltlich. Aber ich muss euch warnen: Ich bin der schlimmste Korrekturleser, den es überhaupt gibt, also solltet ihr euch dazu entschließen, ein oder zwei Geschichten zu lesen, stellt euch auf viele Fehler, Tippfehler und andere Irrtümer ein. LOL

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