German Interview With H.B. Pattskyn: Paranormal and BDSM Author

May 20, 2015

Ich bedanke mich herzlich bei H.B. Pattskyn, die sich bereit erklärt hat, an diesem Interview teilzunehmen und euch Lesern Frage und Antwort zu stehen. Auch ein großes Dankeschön an euch Leser, denn ohne euch wäre dieses wunderbare Interview nicht zustande gekommen.

 Zuallererst: Verrate etwas über dich, das deine Leser überraschen würde.

Vielen Dank für diese Gelegenheit! Hmmm … eine Sache, die Leute überraschen würde, wenn sie mich irgendwo treffen oder auf einer Convention sehen, wäre, dass ich extrem introvertiert bin. Aber ich bin nicht wirklich schüchtern. Das verwirrt die Leute. Eigentlich „mag“ ich es, mit Leuten zu reden. Aber nach einiger Zeit kann es ziemlich erschöpfend sein, auch wenn ich mit meinen Freunden oder meiner Familie zusammen bin. Ich muss dann irgendwann gehen und meine Batterien an einem stillen Ort wieder aufladen.

Was hat dich dazu gebracht, M/M Romanzen zu schreiben? Wie lange schreibst du schon und wie lange hat es gebraucht, bis du von einem Verlag publiziert wurdest?

Ich begann mit dem Schreiben in der zweiten Schulstufe. Wir hatten die Aufgabe, eine Geschichte zu schreiben, und dabei die bereits gelernten Wörter zu verwenden. Es machte so viel Spaß, dass ich weiterschrieb. Ich bin jetzt 46, ihr könnt euch also ausrechnen, wie lange das her ist. *grins

Ich begann Fanfiktions zu schreiben, als Reaktion auf die schreckliche-nein-das-haben-die-nicht-wirklich-getan dritte Staffel von Ron Koslows „Die Schöne und das Biest“ (Eine Menge Fans der Serie schrieben nach der dritten Staffel Fanfiktions). Nach ca. 20 Jahren fing ich mit Torchwood Fanfiktions an, weil ich neugierig war, was wohl zwischen den Episoden passieren könnte – und vor allem, weil ich mehr von Jack und Ianto, ein heißes M/M Pärchen der Serie, sehen wollte. Viele meiner Fans ermutigten mich dazu, Bücher zu schreiben und zu publizieren. Ich versuchte es und erhielt eine Menge Absagen (so läuft das nun mal), was mich dann etwas zögern ließ.

Dann hatte ich die Idee zu einer Story, die einfach nicht mehr verschwand. Als das Buch geschrieben war, musste ich einfach irgendwas damit tun, weshalb ich es bei Dreamspinner Press (mein absoluter Lieblingsverlag) einreichte. Ich erwartete natürlich eine Absage. Ich war gerade dabei, mir Gedanken darüber zu machen, wo ich es als Nächstes einreichen sollte, als ich eine E-Mail mit dem Betreff „Vertrag“ erhielt. Ich denke, ich starrte ca. 10 Minuten auf den Bildschirm, ehe ich die Mail öffnete, und hab mich wohl auch grün und blau gezwickt, weil ich es einfach nicht glauben konnte. *grins*

Ich hoffe, die Frage ist nicht zu privat, wenn ja, musst du natürlich nicht darauf antworten: Wie vereinst du deine Liebe zum Schreiben mit deinem Real Life (Familie, Freunden, dem Partner etc.), ohne dass einer dabei zu kurz kommt?

*kicher* Wenn ich die Lösung gefunden habe, lasse ich es euch wissen! Ständig kommt etwas zu kurz. Glücklicherweise habe ich einen wundervollen und unterstützenden Ehemann und richtig gute Freunde, die verständnisvoll sind, wenn ich sage, dass ich ein Treffen sausen lassen muss, weil die Musen in Höchstform sind. Aber es kann auch das Gegenteil der Fall sein. Letztes Jahr zogen wir in ein neues Haus (ein wunderschönes 100 Jahre altes Haus in Detroit), und deshalb konnte ich nur sehr wenig schreiben. All meine kreative Energie wurde gebraucht, um die alten Böden zu schleifen und neu zu lackieren (manche wurden mit Fliesen und Linoleum bedeckt), und Farbe von den wunderschönen Hartholzleisten abzukratzen.

Schreibst du an mehreren Büchern gleichzeitig oder konzentrierst du dich lieber nur auf eines?

Im Moment schreibe ich an mehreren Büchern gleichzeitig. Ich hoffe, das klappt weiterhin so gut, damit ich zwei Bücher in nächster Zeit beenden und einreichen kann!

Gibt es bestimmte Stärken und Schwächen, die du als Autor besitzt?

Unsicherheit ist meine größte Schwäche. Bei jeder Geschichte komme ich zu einem Punkt, wo ich davon überzeugt bin, dass alles schlecht ist und ich das Handtuch werfen sollte. Gerade dann hilft es, wenn man eine unterstützende Familie und ein helfendes Netzwerk von Schreibkollegen hat.

Eine meiner Stärken ist das Schreiben von Dialogen. Es ist eines der Dinge, wo ich am häufigsten positives Feedback erhalten habe, als ich noch Fanfiktions schrieb, und wo das Schreiben von Fanfiktions auch ziemlich geholfen hat. Ich schrieb über bereits bestehende Charaktere, deshalb war es wichtig, sie nicht zu verändern. Und gerade Dialoge sind ein großer Teil davon, eine Person in einer Geschichte einzigartig zu machen.

Hast du einen bestimmten Schreiballtag und wie lange schreibst du durchschnittlich an einer Geschichte?

Meine Tage sind zur Zeit noch recht unbeständig. Mein Mann und ich teilen uns ein Auto (es ist der einzige Weg, dass es finanziell klappt, dass ich als Vollzeitautorin arbeiten kann), und meine Tochter hat einen Job, bei dem sie um Mitternacht anfängt zu arbeiten. Mein neuer Tag besteht als darin, sie um 23 Uhr zur Arbeit zu bringen, heimzukommen, ins Bett zu gehen, mit meinem Mann um 4 Uhr aufzustehen, ihn zur Arbeit zu fahren, meine Tochter um 7 Uhr abzuholen (versuchen, dazwischen ein wenig zu schreiben), mehr zu schreiben – oder dumme Computerspiele zu spielen, je nachdem wie müde ich bin! Irgendwann versuche ich ein Nickerchen zu machen und / oder ein wenig Hausarbeit oder Gartenarbeit zu erledigen. Dann hole ich meinen Mann um 14 Uhr ab. Zur Zeit bin ich am Morgen am kreativsten, aber ich versuche mich auf meinen neuen Zeitplan einzustellen und bin damit zufrieden, wenn ich mal 1000 Wörter hier und 1000 Wörter da schaffe. Mein Ziel ist es, 3000 Wörter an einem Tag zu schaffen, aber manchmal klappt das eben nicht.

Zwei Tage die Woche arbeite ich ehrenamtlich für die AIDS Partnership Michigan.

Was für eine Szene war die am schwersten zu schreibende?  

Eines meiner derzeitigen Projekte ist die Fortsetzung von „Das graue Halsband“. Es geht aber nicht um Jason und Henry, obwohl sie natürlich vorkommen werden, sondern um Derrik. Der Typ, mit dem er am Ende zusammenkommen wird, lebt am Anfang in einer missbrauchenden, gewalttätigen D/s Beziehung. Es ist ein sehr sensibles und berührendes Thema, und es fällt mir schwer, es zu schreiben, weil ich nicht daran denken möchte, dass D/s Beziehungen etwas anderes als liebevoll und einvernehmlich sein können. Obwohl ich in meiner vorherigen Ehe mit einem Mann verheiratet war, der das Konzept ganz und gar nicht verstanden hatte. Es wurde nie gewalttätig, missbrauchend (ich konnte mich sozusagen von ihm lösen, ehe es zu diesem Punkt kommen konnte) aber das Potenzial war da. Es fällt mir schwer, einen Dom zu schreiben, der so sehr meinem Exmann ähnelt. Es gab nämlich ein paar Situationen, wo er mich wirklich verängstigt hatte.

Du hast zeitgenössische und eine paranormale Geschichte geschrieben. Welchen Stil bevorzugst du und warum?

Ich denke, paranormale Geschichten, weil sie dir viel Spielraum und Freiheiten lassen, um kreativ zu sein und Spaß zu haben – aber in letzter Zeit waren meine Ideen eher den zeitgenössischen Geschichten zugehörig, deshalb schreibe ich mehr Bücher in diesem Genre. Genauer gesagt, ich schreibe all das, was meine Musen mir diktieren. *grins*

Gehörst du auch zu den Autoren, die von der Muse ständig Arschtritte bekommen, vor allem, wenn sie etwas will, das dir aktuell so gar nicht in den Zeitplan passt?

Auf jeden Fall!

Hast du schon einmal abfällige / beleidigende Bemerkungen zu deinen Büchern erhalten? Wenn ja, wie hast du darauf reagiert?

Möglicherweise war die abfälligste Bemerkung, der Satz: „Oh, du schreibst homoerotische Romanzen? Wo veröffentlichst du deine Geschichten online?“ Es war sehr frustrierend, dass er gleich dachte, dass ich mit Geschichten dieses Genres, bei keinem Verlag veröffentlichen kann oder für meine Arbeit bezahlt werde.

Als Antwort auf seine Frage sagte ich lächelnd, dass er meine Bücher ja gerne auf der Seite meines Verlages oder auf Amazon nachschlagen könnte.

Jemand anderes dachte, ich würde selbst veröffentlichen. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Autoren ihre Bücher selbst veröffentlichen – mich irritierte nur die Annahme, dass er dachte, dass wohl kein Verlag M/M Romanzen veröffentlichen würde. Ich habe ihn höflich korrigiert, und wieder auf Dreamspinner verwiesen – ebenso wie auf all die anderen tollen M/M Verlage.

Hast du vor, irgendwann die Länder zu besuchen, in deren Sprachen deine Bücher übersetzt wurden?

Ich möchte unbedingt mal nach Deutschland! Und auch einige andere europäische Länder besuchen.

Letzte Woche veröffentliche DSP die deutsche Übersetzung von deinem Buch Das graue Halsband (Bound: Forget Me Knot). Hat dir die Muse eines Tages die Idee (auch das Thema BDSM) zugeflüstert oder inspirierte dich etwas anderes?

*grins* Ich stand beim Tisch eines Händlers bei einer lokalen Science Fiction Convention (nicht die, wo sich Henry und Jason trafen, aber sie war der Convention sehr ähnlich) und gegenüber von mir erblickte ich diesen umwerfenden, jungen (19 oder 20 Jahre alt) Kerl, gekleidet in einem Netzshirt, seine Nippelpiercings waren deutlich zu sehen. Schräg gegenüber war ein Lederwaren Händler (mehr Steampunk als BDSM Zeug, aber es gab auch ein paar Halsbänder und Handschellen). Ich konnte nicht anders, als die beiden in meinen Gedanken zusammenzubringen.

Wird es eine Fortsetzung geben? Oder sind andere Bücher geplant, die das Thema BDSM beinhalten?

Neben Derriks Geschichte (die Fortsetzung von „Das graue Halsband“) arbeite ich an einer weiteren BDSM Geschichte, die Visceral heißt, und die ich sehr liebe. Mittlerweile habe ich ungefähr 70 000 Wörter geschrieben, also wird sie bald fertig sein.

Kannst du ein bisschen über dein Buch Hanging by the Moment erzählen? War der Plot geplant oder entwickelte es sich während des Schreibens?

Ich hatte nicht geplant, ein Buch über HIV zu schreiben, als ich mit der Geschichte von Daniel und Pasha begann. Ich hatte gerade erst „Das graue Halsband“ beendet, und wollte daher etwas leichtes und schmerzloses schreiben. Aber leicht und schmerzlos ist in meinem Wortschatz wohl nicht vorhanden. Ich hatte ungefähr 10 000 Wörter geschrieben und wollte mich gerade etwas hinlegen, um eine Pause zu machen, als mich Daniel darüber informierte (und zwar in der Art und Weise wie Charaktere manchmal die Autoren vor vollendete Tatsachen stellen), dass er HIV-positiv sei.

Nein.

Niemals. Das war nicht das Buch, das ich schreiben wollte.

Aber es war das Buch, das geschrieben werden musste.

Wegen der Recherche zu dem Thema endete ich als ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der AIDS Partnership Michigan. Es bricht mir mein Herz, dass noch immer so viele falsche Informationen im Internet über HIV und AIDS zu finden sind. Es ist kein Todesurteil. Es ist keine Krankheit, die jemand haben möchte, aber man kann sich damit arrangieren und leben.

Ich weiß, eine Menge Leser mieden „Hanging by the Moment“, wegen dieses Themas, aber es ist keine depressive, traurige Geschichte. Es ist eine Geschichte über einen Mann, der sich in einen anderen Mann verliebt, der HIV-positiv ist.

Zu guter Letzt. Woran arbeitest du zur Zeit?

Neben Derriks Geschichte und Visceral, arbeite ich an dem Buch A Place to Belong, das mich ziemlich mitgenommen hat. Es ist eine weitere Geschichte mit einem schwierigen Plot, der Selbstverletzung, Straßenprostitution und eine Beziehung mit einem erheblichen Altersunterschied beinhaltet. Es ist einer der Fälle, wo ich, egal was ich schreibe, denke, dass es Mist ist (obwohl mir vier Beta Leser gesagt haben, dass sie es lieben, und das sind Leute, die ich sehr respektiere). Ich denke, wenn ich Visceral beendet habe, werde ich mich wieder auf diese Story stürzen (Ich begann mit Visceral, weil ich eine Pause brauchte – und weil ich an der Reihe war, etwas in einer Kritikergruppe zu schreiben, und ich wollte nichts von A Place to Belong posten, weil die Geschichte gerade bei einem Beta Reader war, und ich zu der Zeit nur deren Meinungen hören wollte).

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