Zahra Owens German Interview

April 19, 2015

Ich bedanke mich herzlich bei Zahra, die sich bereit erklärt hat, an diesem Interview teilzunehmen und euch Lesern Frage und Antwort zu stehen. Auch ein großes Dankeschön an euch Leser, denn ohne euch wäre dieses wunderbare Interview nicht zustande gekommen.

Was hat dich dazu gebracht, M/M Romanzen zu schreiben?
Ich begann mit Fanfiktions, eine schon seit Jahren bestehende Tradition, wo man Männer miteinander verkuppelt, weil die Chemie einem schon vom Bildschirm aus entgegenspringt, aber alles was sie jemals in TV-Serien und Filmen bekommen ist eine Bromance (Anm.: nicht sexuelle, innige Männerbeziehung). Und manche von uns glauben, dass diese Charaktere etwas besseres verdient haben. ;-) Aber nach einiger Zeit reichte es mir nicht mehr, meinen liebsten Charakteren ein schöneres Ende zu schreiben. Ich wollte meine eigene schreiben …

Findest du, dass es deinen Schreibstil sehr beeinflusst, dass deine Muttersprache nicht Englisch ist? Oder denkst du, dass du von Buch zu Buch mehr von dem „amerikanischen Englisch“ übernommen hast?

Ich wuchs zweisprachig auf, das heißt, ich spreche Englisch, seit ich ein kleines Kind war. Ich könnte nicht in meiner Muttersprache schreiben. Nun ja, ich glaube wir alle tragen unsere Kultur in uns, jedoch weniger in den Worten oder der Sprache, die wir sprechen, sondern eher durch Redewendungen, die von Land zu Land verschieden sind. Einmal verwirrte ich einen Lektor mit dem Ausdruck „Das Baby schlief wie eine Rose“ (Anm.: “Slapen als een roos”: tief und fest schlafen), was hier eine völlig normale Redewendung ist, aber offensichtlich nicht in Amerika! Ich gebe zu, mein Englisch wurde mit den Jahren besser, aber ich glaube, hierfür ist eher das Lesen als das Schreiben ausschlaggebend gewesen.

Findest du neben dem Schreiben noch Zeit, um zu lesen? Was sind deine Lieblingsbücher, die du immer wieder lesen könntest?

Ich muss gestehen, ich lese nicht so viel wie ich es möchte. Ich habe einen Job, der viel Zeit in Anspruch nimmt, und das Schreiben ist ein sehr zeitintensives Hobby. Ich lese für andere Korrektur, was bedeutet, dass ich jede Geschichte einmal lesen muss. Ich wünschte, ich könnte manche der Bücher, die ich über die Jahre gelesen habe, noch einmal lesen (unter anderem: Amy Lanes zeitgenössische Bücher, Ariel Tachnas Vampire und Zauberer und alles von Mary Calmes).

Ich hoffe, die Frage ist nicht zu privat, wenn ja, musst du natürlich nicht darauf antworten: Wie vereinst du deine Liebe zum Schreiben mit deinem Real Life (Familie, Freunden, dem Partner etc.), ohne dass einer dabei zu kurz kommt?

Es braucht etwas Balance. Jeder, der mich kennt, weiß was ich schreibe, hier gibt es keine Geheimnisse. Das hilft. Sie verstehen, dass ich so noch weniger Freizeit habe. Es hilft auch, dass ich etwas vorzeigen kann. Von einem Verlag veröffentlicht zu werden lässt viele Verständnis dafür aufbringen. Ich versuche einfach mein Bestes, um meine Familie und Freunde nicht zu vernachlässigen. Meine Eltern werden nicht jünger, und ich versuche regelmäßig Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich denke, ich kann mich glücklich schätzen (wenn man es so sagen kann), dass die Leute, die mir nahestehen, auch ziemlich viel zu tun haben, deshalb müssen wir oft unsere Kalender zur Hand nehmen um Zeit zu finden, etwas miteinander zu unternehmen! Nimmt zwar viel von der Spontanität, aber zu planen ist die Hälfte des Spaßes. Als Beispiel, mein Geburtstag war im Februar, aber mein Geburtstagsdinner ist für den 1. Mai geplant.

Schreibst du an mehreren Büchern gleichzeitig oder konzentrierst du dich lieber nur auf eines? Planst du eine Serie im Vorhinein oder ‘passiert’ sie einfach?
Ich habe normalerweise drei Bücher gleichzeitig in Arbeit, da ich zu schnell abgelenkt bin, wenn ich nur an einem arbeite. Außerdem würde ich wohl auch zu oft in einer Geschichte feststecken, das heißt, ich würde wohl nie etwas fertig bekommen!

Gibt es bestimmte Stärken und Schwächen, die du als Autor besitzt?
Ich bin schrecklich, wenn es um Humor geht. Ich liebe Menschen, die die Gabe haben einfach nur zu reden und mich so zum Lachen zu bringen. Ich könnte nicht mal humorvolle Bücher schreiben, wenn man eine Pistole an meinen Kopf halten würde.
Positiv ist, dass man mir sagte, ich könne die Handlungen in meinen Büchern sehr gut miteinander verknüpfen und ich liebe es, all diese Puzzleteile am Ende einer Geschichte an den richtigen Platz zu bringen.

Woher nimmst du deine Ideen? Was inspiriert dich? Fließen private Erlebnisse oder Menschen, die du getroffen hast, in deine Geschichten mit ein?
Leute stellen mir diese Frage immer wieder, und ich finde es schwierig, sie zu beantworten, da sie immer etwas Großes erwarten, aber so ist es nicht. Ich liebe es, auf der Terrasse eines Cafés zu sitzen und den Leuten zuzusehen, die an mir vorbeigehen. Ich liebe es, Leute zu beobachten und stelle mir ihre Geschichte vor. Die komplette Geschichte meines neuen Buches Conflict of Interest wurde nur von einer Szene inspiriert, die ein Teil der letzten Szene meines Buches ist. Ich war in London und gerade in der Nähe des Old Baileys, als sich eine Seitentür öffnete. Ein großer, attraktiver Mann mittleren Alters gekleidet in einer Gerichtsrobe trat heraus, sein Kragen gelockert, der Wind spielte mit seiner Robe. Gleich darauf folgte ein jüngerer, kleinerer Mann in Jeans und einer Lederjacke, und trug sehr schwer aussehende Mappen voller Papier. Sie unterhielten sich gerade sehr angeregt, sehr wahrscheinlich darüber, was vor Gericht geschehen ist. Ich hatte keinen Grund zu glauben, dass hier mehr zu sehen war als ein Anwalt, der mit seinem Ermittler sprach, aber in meinen Augen waren sie so viel mehr, und so endete diese Geschichte als ein Roman.

Hast du bestimmte Rituale, wenn du dich an eine Geschichte setzt?
Nicht wirklich. Meine größte Hürde ist nicht nur die Zeit zum Schreiben zu finden, sondern auch mich selbst dazu zu bringen mich vor meinen Computer zu setzen und zu beginnen. Ich bin ein schrecklicher Zauderer. Ich schreibe am besten, wenn Dinge um mich rum geschehen. Ich kann verstehen, dass Leute ihren Laptop zu einem Coffeeshop mitnehmen und sich dort hinsetzen, um zu schreiben. Ich vollbringe auch gute Arbeit während eines Transatlantikfluges, während die Flugbegleiter um mich rum wuseln und andere Passagiere zu lesen versuchen, was ich schreibe.

Legst du dir schon einen Plot (mit vorgegebenen Situationen) zurecht bzw. weißt du schon zu Beginn wie deine Protagonisten gestrickt sind, oder agierst du während des Schreibens spontan?

Ich plane nicht viel. Ich weiß wie es beginnt und wo (aber nicht wie) es enden wird. Ich denke, es macht mehr Spaß zu sehen, wo mich die Protagonisten auf ihrer Reise von A nach Z führen als alles zu planen. Sie halten die Fäden in ihren Händen und ich schreibe nur das auf, was sie mir diktieren.
Ich habe meine Cowboy-Serie nicht geplant. Als ich Buch 1 (Clouds and Rain) schrieb, fühlte ich, dass Grant seine Wiedergutmachungsgeschichte brauchte, so schrieb ich Earth and Sky. Floods and Drought folgte, da ich fühlte, dass Rory eine herzzerreißende Geschichte über lebenslange Ablehnung hatte und mit Tim hatte ich schon den perfekten Kerl für ihn. Im Verlauf dieser drei Geschichten, bemerkte ich diesen Anwalt, dem die Lizenz entzogen wurde und der nun auf der Ranch arbeitete. So schrieb ich seine Geschichte Moon and Stars. Seht ihr, ich plane nichts, aber manchmal tun es die Charaktere!

Wachsen dir manche Protagonisten mehr ans Herz als andere? Wenn ja, welche magst du am liebsten?

Ich kann keine Geschichte schreiben, deren Charaktere sich nicht in mein Herz schleichen, daher haben alle irgendwie einen speziellen Platz in meinem Herzen. Ich mag die „hoffnungslosen Fälle“. Rory, der nie Liebe kennengelernt hatte, sondern immer nur Ablehnung. Kelly, der eine Frau heiratete, obwohl ihm bewusst war, dass er einen Mann liebte. Jack, der eine Frau heiratete, da das diplomatische Korps für einen schwulen Diplomaten nicht bereit war. Aber ich liebe auch die Männer, dir für diese hoffnungslosen Fälle ihr Herz öffneten, entgegen besserer Einsicht. Sie sind meine Helden. Denn wir alle wollen jemanden der uns liebt, trotz unserer Fehler.

Gehörst du auch zu den Autoren, die von der Muse ständig Arschtritte bekommen, vor allem, wenn sie etwas will, das dir aktuell so gar nicht in den Zeitplan passt?
Ja, gerade deshalb arbeite ich an mehr als einem Buch gleichzeitig. Ich muss mich in meine Charaktere verlieben, das heißt aber auch, dass sie mich jedes Mal zu Tränen rühren. Und so wie es immer ist, wenn man mit Herz an etwas arbeitet, geschieht es, wenn man es am wenigsten erwartet, das heißt, wenn ich bei einer Geschichte voll im Schwung bin, könnte es passieren, dass ein anderer Charakter nach meiner Aufmerksamkeit schreit, und dann muss ich auch seine Geschichte niederschreiben.

Wie lange schreibst du durchschnittlich an einer Geschichte und wie sieht dein Schreiballtag im Allgemeinen aus?
Es dauert ungefähr ein bis zwei Jahre, ehe ich eine Geschichte beende. Deshalb denke ich, es ist eine gute Sache, dass ich an mehr als einer Geschichte zur selben Zeit arbeite!
Ich bin am späten Abend am produktivsten, was bedeutet, dass ich oft nur vier oder fünf Stunden schlafe. Nicht gut, aber ich muss meiner Muse gehorchen!

Hast du schon einmal abfällige / beleidigende Bemerkungen zu deinen Büchern erhalten? Wenn ja, wie hast du darauf reagiert?
Ich wurde nie beleidigt. Ich erhielt ein paar nicht so vorteilhafte Reviews für manche meiner Bücher, aber ich versuche sie zu ignorieren. Nun, ich ignoriere sie nach außen hin, aber sie schmerzen, denn ich liebe meine Charaktere, die ich geschrieben habe, und dann gibt jemand der Geschichte meiner geliebten Charaktere ein Ein-Stern-Review. Ich würde mich nicht so sehr darum kümmern, wenn das Review gut ausformuliert (sorgfältig und konstruktiv) ist, aber oft ist das leider nicht der Fall.

Letzte Woche veröffentliche DSP die deutsche Übersetzung von deinem Buch Floods and Drought (Floods & Drought – Eine zweite Chance für Rory). Viele deutschsprachige Leser wissen vermutlich nicht, dass du in Europa aufgewachsen bist. Wie kommt es, dass so viele deiner Geschichten im Westen von Amerika spielen? Hast du zu diesem Teil des Landes eine spezielle Bindung?
Ich wuchs in einer Stadt auf, reise aber schon seit meiner Kindheit sehr viel. Der weite Ausblick der westlichen USA ist atemberaubend. In der Stadt musst du froh sein, wenn du weiter als bis zum nächsten Haus siehst, aber dort kannst du ein paar Meilen weit sehen. Es ist befreiend. Ich glaube nicht, dass ich dort leben könnte, aber ich kann es bewundern (und darüber schreiben). Die Männer dort sind schroff und hart gesotten von ihrem Leben voller harter Handarbeit. Das macht es umso reizvoller!
Viele meiner anderen Geschichten spielen in Städten, in denen ich mir vorstellen könnte zu leben: wie Madrid, London und New York.

Moon and Stars ist der vierte und zur Zeit auch letzte Band der Clouds and Rain Serie. Sind noch weitere Geschichten geplant oder müssen wir uns nach Moon and Stars von unseren Lieblingen verabschieden?
Ich habe immer gesagt, dass es ein fünftes Buch geben wird, um all die losen Enden zu verknüpfen. Es wird jedoch etwas dauern. (Siehe nächste Frage)

Wer war der am schwierigsten zu schreibende Charakter der Clouds and Rain Serie?
Der schwierigste zu schreibende Charakter in der Clouds and Rain Serie ist der aus Buch 5, der mich wütend anstarrt und nicht möchte, dass ich über ihn schreibe (Ich habe erwähnt, dass meine Protagonisten in meinem Kopf leben, richtig?). Und wenn sich ein Charakter weigert mit mir zu sprechen, muss ich zuerst herausfinden, was ich getan habe, dass er so sauer auf mich ist, ehe ich an seiner Geschichte weiterschreiben kann.

Zu guter Letzt. Woran arbeitest du zur Zeit?

Zur Zeit arbeite ich an einer Serie mit drei Büchern (ja, alle zur gleichen Zeit), die in einem Obdachlosenasyl in New York City spielen, wobei es in jedem Buch einen Protagonisten mit einer körperlichen Beeinträchtigung gibt.
Wie in all meinen Serien wird auch hier jedes Buch sein eigenes „Hauptpärchen“ haben, aber die anderen werden natürlich auch ihren Platz in den jeweils anderen Geschichten finden.

Vielen Dank für all die tollen Fragen! Ich hoffe ihr seid mit meinen Antworten zufrieden!

~Zahra

Biografie:
Zahra Owens wurde kurz vor Woodstock und der Mondlandung in Europa geboren und erhielt von ihren nicht Englisch sprechenden Eltern einen unaussprechlichen Namen. Da sie im Zeichen des Wassermanns geboren wurde, war klar, dass sie sich niemals richtig anpassen würde und ihr Umfeld lernte, das Unerwartete zu erwarten.
In der ersten Klasse begann sie damit, Märchen zu schreiben und im selben Jahr hatte sie den ersten Kontakt zu einer Gruppe englischsprachiger Freunde; einer Gruppe, die sich mit der Zeit so ausweitete, dass bald Personen aus allen Regionen der Welt dazugehörten. Nach außen war sie das typische Einzelkind, daran gewöhnt, die meiste Zeit mit Erwachsenen zu verbringen. Im Inneren suchte sie nach Wegen, ihre wilde Vorstellungskraft zu kanalisieren.
Tagsüber verdient sie ihr Geld als Computerspezialistin, aber es ist ihr früherer Beruf als Krankenschwester auf der Intensivstation, der häufig in ihre Geschichten einfließt. Vielleicht kommt aus dieser Zeit auch ihre Vorliebe für schwierige Charaktere und unvollkommene Körper, vielleicht ist es aber auch nur eine etwas sadistische Ader. Entscheide selbst darüber.

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